Für Burak (06.05.2012)

ausgestrahlt als Kolumne im Radio FSK, am 06.05. und 07.05.2012. Anhören/Downloaden

Die heutige Kolumne ist dem Andenken Buraks gewidmet. Er schaffte es in Deutschland gerade mal, 22 Jahre alt zu werden. Mehr war nicht drin. Burak wurde in der Nacht von 4.  auf  den 5. April, in Neukölln, auf offener Straße durch – laut Polizei – „Unbekannte“ erschossen, 2 Freunde von ihm wurden verletzt.  Die Gründe?

a)     Es handelte sich um Kanaken, 
b)     es geschah in Neukölln, Deutschland,
c)     es war fast auf dem Tag genau der 20. Jahrestag des Todes von Gerhard Kaindl, den Führer der Neonazi-Partei „Deutsche Liga für Volk und Heimat“. Kaindl starb nach einem MigrantInnen-Angriff in der Nacht zum 4. April 1992. Der Angriff wurde der MigrantInnen-Gruppe Antifaschist Genclik angelastet, was zu ihrer Zerschlagung führte. Kaindl gilt bis heute bei den Neonazis als Märtyrer,
d)     es war Nacht.

Gewiss, alles eine Frage des Zufalls. Und wir, die Unbelehrbaren, beharren darauf, dass in Deutschland nichts dem Zufall überlassen wird, sondern wo immer es geht und wann immer es passt, der rassistische Mord gedacht, vorbereitet und durchgeführt wird. Spätestens seit den NSU-Morden weiß jedeR, dass weder Hakenkreuze am Tatort noch Bekennerschreiben erforderlich sind, um den Mord in seiner Dimension zu erkennen, weil die Tat für sich sprechen soll. Nicht zufällig haben wir in einer vorherige Kolumne gefordert, dass jeder Mord an Kanaken als rassistischer Mord zu benennen ist, bis zum Beweis des Gegenteils.

Hier aber? Das Schweigen hat wieder Konjunktur. Alle warten wiedermal – wie damals beim Brandanschlag in Lübeck, als 13 Flüchtlinge starben – auf die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft! Schon damals war das Vertrauen an den Staatsapparat grenzenlos. Hat sozusagen Tradition. Denn die seriöse deutsche Linke kann sich ihren guten Ruf nicht aufs Spiel setzen. Also lieber die offiziellen staatlichen Ergebnisse abwarten. Wir scheißen auf solche  PC-mäßige Posen.

Da alles bereits mehrmals sogar gesagt wurde, wird heute ein 18 Jahre alter Text als Kolumne genommen, es ist leider immer noch aktuell. Gewiss, die Zeiten haben sich geändert, Deutschland aber, Deutschland ist sich treu geblieben:

Die Weizsäckerisierung der Militanz oder die Banalität des Blöden


Café Morgenland, 06.Mai 2012


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