“Stalingrad-Veranstaltung” in Ffm (02.02.2003)

An die Organisatoren und Unterstützer der “Stalingrad-Veranstaltung” in Ffm.

Die gute Nachricht zuerst: Café Morgenland nimmt an dieser Veranstaltung nicht teil.

Jetzt die schlechte:
“Die Deutschen hat man entweder am Hals oder zu den Füssen”
(Winston Churchill)

Unsere Intention und Ausgangspunkt, als wir zugesagt hatten, war die Mitwirkung an einer Diskussionsveranstaltung anlässlich des Jahrestages des Sieges von Stalingrad gewesen. Nichts mehr aber auch nicht weniger!
In unserer bekannten Sanftmut und axiomatischen Güte den Erdbewohnern gegenüber hatten wir aber nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass uns ob dieser Zusage der Segen beschert würde, einen Beitrag zur Kreation einer linksdeutschen Diskussion über Café Morgenland oder gar über reale – d.h. standesamtlich verifizierbare – Person(en), leisten zu dürfen.
Wir waren in einem kurzen Moment des Leichtsinns der Illusion verfallen, dass, wie jede andere Connection (Feind oder Freund), auch CM anhand der von ihm artikulierten und vertretenen Inhalte und Praxis be- und verurteilt würde.
Mit der Ankündigung der Teilnahme von CM an der Veranstaltung ist jedoch eine für die deutsche Linke repräsentative Diskussion feierlich eröffnet worden, die sich beherzt den sozialhistorischen und politischen Kernfragen stellte [Geile, Wodka, Identität, Nüsse unterdurchschnittlicher Größe usw. ], deren gewissenhaftes Verständnis für einen adäquaten Umgang mit den aktuellen krisengenerierenden Problemen des Globus unabdingbar ist. 

Schon in den Vorbereitungen hatten alle Anzeichen darauf hingedeutet, dass es den Veranstaltern weniger um Stalingrad als vielmehr um eine inszenierte Show auf Kosten anderer geht. So waren sie nicht in der Lage (was verzeihlich) oder willens (was schäbig), im Vorfeld eine eigene Stellungnahme zur eigenen Veranstaltung zu veröffentlichen. Dort wo sie Ersatzstücke aus anderen Publikationen geklaubt haben, geschah dies noch in der Form der Verbesserung und der paternalistischen Beurteilung (siehe Einladung zu dieser Veranstaltung sowie Editorial in Sinistra-Zeitung). 

Als die Hetzmeute munter zu toben anfing, zogen sie sich auf ihre Rolle der Verwaltung des virtuellen Raums zurück (wohl doch vom Exzess gelernt), anstatt die einzige Konsequenz daraus zu ziehen, den kuschelig virtuellen Stammtisch sofort und kompromisslos – zumindest bis nach der Veranstaltung – zu schließen. Die spärlichen Versuche, ein bisschen Vernunft walten zu lassen, hatten angesichts der explodierenden “Einschaltquoten” keine Chance!
Während die deutsche Linke (in jeder ihrer Varianten) devot, respektvoll und unter Einhaltung aller milieutypischen Regeln mit ihren politischen Gegnern umzugehen pflegt, machen diese Umgangsformen gegenüber den Nichtfamilienangehörigen allein durch ihre programmatische Absenz auf sich aufmerksam.

Andere – von der edleren linksradikalen Sorte – wiederum monierten den für sie unerträglichen und ungerechten Zustand, dass sich Nichtdeutsche in deren Gesellschaft “eingerichtet” haben; empörten sich – um nicht den geringsten Zweifel an der Beständigkeit ihre Erziehung aufkommen zu lassen – über das “Schwenken der Israelfahne”.
Wenn das Gebrabbel des deutschen Stammtisches, diese Mischung aus Herrenmenschentum und Drang nach Vernichtung, Besserwisserei und Pogrom, Neid und Denunziation, sich im virtuellen Raum wie eine riesige stinkige Dunstglocke über alles und jeden herablässt, dann befinden wir uns in einem deutschen Web-Forum. Wenn dies in einem linken Forum geschieht, dann befinden wir uns in einem linksdeutschen. Wenn dabei die erträumte Beute auch noch CM ist, dann handelt es sich um eine linksdeutsche “Hyperventilation” (Danke M.).

Wir müssen wieder zurück in unsere “elitäre Arroganz” und unsere “Schützengräben”. Was bleibt, ist nur die Bestätigung, dass auch 10 Jahre danach die deutsche Linke in Frankfurt (und anderswo) absolut konstant geblieben ist. Der Einzug in die Normalität wird auf sich warten lassen müssen. Vielleicht hat Paul Spiegel Recht, wenn er optimistisch sagt, dass dafür 3 weitere Generationen notwendig sind. 

Bis dahin müsst ihr noch mit WertmüllerInnen (Kopftuch-Experte), KüntzelInnen (Islamisten-Experte) und GrigatInnen (Wertvernichtungsexperte) weitermachen.

Café Morgenland                                  02.02.2003

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